Heimat-los
Es gibt eine Trauer und eine Unrast im Herzen, die aus der Wunde der Heimatlosigkeit stammt.
Sie ist eine tiefe Zerrissenheit, die entwurzelt, entzweit, beschämt und ängstigt …
In ihr steckt ein Wechselspiel aus Gegenpolen: einerseits die Angst vor dem Fremden und davor, dem eigenen Ursprung – also der eigenen Kultur, Sprache und Religion wortwörtlich fremd-zugehen und andererseits der jahrzehntelange Schmerz, für die eigene Andersartigkeit beschämt worden zu sein.
Gräbt man jedoch in den Schichten des Beschämtwerdens, so findet man darin nicht nur Demütigung und Entwürdigung, sondern auch ganz viel Potenzial, ganz viel Mut, ganz viel Leben, ganz viele Schätze und Stärken, die der Vielfalt innewohnen.
Deshalb bedeutet Heimat in meinem Verständnis nicht ein„Entweder-oder“, sondern ein „Sowohl als auch“. Sie verbindet und schafft Verbundenheit – sowohl im Innen als auch im Außen. So kann man zwei Orte gleichzeitig in einem Herzen tragen, ohne sich dabei schuldig zu fühlen.
Heimat in diesem Sinne ist ein bejahendes Lebensgefühl – ein tiefes Ankommen und Verwurzeltsein:
Bei sich,
bei einem lieben Menschen,
bei einer Aufgabe,
bei einem Ort,
im Leben.
Betrachtet man Heimat schließlich als ein Symbol, so würde ich sie als einen Lindenbaum beschreiben, unter dem sich Menschen aller Herkunft, aller Religionen und aller Sprachen versammeln und respektvoll einander begegnen – geschützt von der prachtvollen Krone der Linde und ihren unendlich tiefen Wurzeln, die allesamt miteinander verbinden.
Das ist für mich wahrlich ein Ort des Friedens, der Geborgenheit und der Gemeinschaft.
Ja, das ist Heimat. Das ist Leben.
21.10.2026 - Meva Gülizar Elciyörük




Kommentare